Gerda Engelbracht
Kein Platz – Nirgendwo
Studie zur Situation von Bremer Kindern und Jugendlichen in den stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie zwischen 1949 und 1975
Hrsg: Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport und
Die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz
Bremen 2020, ISBN: 978-3-00-066611-7

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In Deutschland war die Situation für Kinder und Jugendliche mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen nach Ende des Zweiten Weltkriegs katastrophal. Bremen war das einzige Bundesland, in dem bis Mitte der 1970er Jahre eine stationäre Einrichtung der Behindertenhilfe und der Jugendpsychiatrie fehlte.
Wo fanden diese Kinder und Jugendlichen überhaupt Unterstützung und Hilfe? Wie sah ihre Behandlung aus?
Diese Studie dokumentiert die Situation von Bremer Kindern und Jugendlichen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen in der Zeit von 1949 bis 1975. Während des gesamten Untersuchungszeitraums mussten die betroffenen Familien ihre Kinder ins niedersächsische Umland oder in Einrichtungen abgeben, die zum Teil viele hundert Kilometer von Bremen entfernt lagen. Hier waren die räumlichen, personellen und therapeutischen Bedingungen äußerst problematisch. Häufig wurden in diesen Institutionen die minderjährigen Bewohner*innen mit einer Medikation behandelt, die in ihrem Umfang und in ihrer Intensität erhebliche gesundheitliche Schädigungen nach sich zog.
Eine zentrale Rolle in der Diagnostik und Unterstützung von Eltern und Kindern hatte die 1949 in der Bremer Nervenklinik (heute Klinikum Bremen-Ost) eröffnete „Kinderbeobachtungsstation“. Hier bemühten sich Ärzt*innen, Psycholog*innen und Erzieher*innen um das seelische und körperliche Wohl der aufgenommenen Mädchen und Jungen. Besonders schwierig war indes die Lage für Jugendliche und Kinder, die auf den Stationen der Erwachsenenpsychiatrie leben mussten.

Zwischen 2012 und 2014 konnten ehemalige Heimkinder beim Fond „Heimerziehung (in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975)“ ihre Ansprüche für erlittenes Leid und Unrecht anmelden. Von Beginn an wurde kritisiert, dass Menschen, die in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie gelebt hatten, aus pragmatischen und verwaltungstechnischen Gründen von der Antragstellung ausgeschlossen waren. Vor dem Hintergrund einer notwendigen Gleichbehandlung wurde deshalb die Stiftung Anerkennung und Hilfe ins Leben gerufen, die am 1. Januar 2017 ihre Arbeit aufgenommen hat. Antragstellungen sind bis zum 30. Juni 2021 möglich.

Bericht ZDF Heute in Deutschland, 5.1.2021. Den Beitrag finden Sie bei Minute 8:45.

Forschungszeitraum
2019/2020

Auftraggeberin
Die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz, Bremen
Die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport, Bremen


Schlafsaal der Kinder im Waldheim Cluvenhagen, 1960er Jahre (Foto: Stiftung Waldheim)