Mehr als achtzig Jahre nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft soll erforscht werden, wie das System des „Sichten und Siebens“ in dem sich radikalisierenden, abgestuften Fürsorgeerziehungssystem in Bremen funktionierte. Wie wurde mit Kindern und Jugendlichen, die zwischen 1933 und 1945 in evangelischen Kinderheimen und Fürsorgeanstalten der Stadt Bremen untergebracht waren, umgegangen? Was erlebten sie dort und welche Rolle spielten die Beschäftigten und Verantwortlichen? Welche Auswirkungen hatte z.B. das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ oder die Verlegung in außerbremische Erziehungsanstalten und Jugendkonzentrationslager?
Dabei soll einerseits ein Bild der Situation in den betroffenen Einrichtungen, andererseits das individuelle Leid der Kinder und Jugendlichen beispielhaft nachgezeichnet werden. Diese Erkenntnisse sollen einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, zudem Formen der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer der NS-Gesundheits- und Fürsorgepolitik entwickelt und initiiert werden.

Vertiefende Weiterführung der Vorstudie:
Gerda Engelbracht, Andrea Hauser
Bremer Jugendhilfe und Jugendfürsorge in der NS-Zeit
Bremen, März 2015

Auftraggeber
Diakonisches Werk Bremen e.V.

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Flaggenparade im St. Petri-Waisenhaus, um 1938 (Foto: St. Petri Kinder- und Jugendhilfe)